In einem sehr ansehnlichen Video mit dem Titel Master Plan - About the Power of Google - von zwei Studenten der Uni Ulm wird (und das sicher nicht zum ersten Mal) die Angst vor dem Riesen Google geschürt.
Die Vorwürfe: Daten Sammeln und Privatsphäre
Der zentrale Vorwurf an Google richtet sich gegen das Scannen der Emails und den damit verbundenen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer. So ist es tatsächlich wahr, dass Google, um für den Nutzer relevante Werbung in Googlemail anzeigen zu können, nach Stichworten und Begriffen in deren Emails sucht.
Auch werden Sucheingaben registriert. Wenn man sogar, wie ich, die Google History angeschaltet hat, kann man sich alle jemals eingegebenen Suchbegriffe anzeigen lassen. Und Gmail und History sind nur ein kleiner Teil eines riesigen Produkt-Katalogs, der vom Google Reader (Feedreader) über Picasa (Bildverwaltung) bis hinzu Google Docs (Online Dokumente, Tabellen, Präsentationen) reicht. Um nur einige zu nennen. Übrigens, alles Produkte, die ich sehr gerne und oft verwende...
Google und Gen-Technik
Der neue Vorwurf geht nun noch einen Schritt weiter und unterstellt die Möglichkeit eines kompletten Nutzer-Profils, dass sich aus den Nutzerdaten (s.o.) und darüber hinaus noch aus dessen Gen-Profil zusammensetzt.
Die notwendigen Informationen stammen offensichtlich aus Projekten der molekularen Genforschung, in die Google investiert.
Marktdominanz und Kontrolle
Da Google diese dominante Stellung am Markt inne hat und die Handhabe über all diese Information, scheint es, so die beiden Autoren, nur eine Frage der Zeit, bis sie diese für "böse" Zwecke und somit gegen die Interessen der Nutzer verwenden.
Die Privatsphäre würde sich somit völlig auflösen und ein für alle transparenter Nutzer dastehen.
Paranoia oder Berechtigt?
Ich möchte all den Cassandra-Rufern entgegenhalten, dass auch und gerade Google all seine Entscheidungen nach wirtschaftlichen und pragmatischen Gesichtspunkten wählen wird. Und ohne Nutzer ist Google nicht existent. Sie leben von der Werbung, die sie in der Suchmaschine und in ihren Produkten einbinden.
Sobald diese Nutzerschaft wegbricht, wird auch Google zusammenbrechen. Und zwar deutlicher, als z.B. wenn bei Microsoft einen schlechtes Produkt auf den Markt bringt oder einen fatalen Fehler begeht. Denn Microsoft basiert auf mehreren Geschäftspfeilern. Google derzeit nur auf einem.
Und was geschieht, wenn unvorsichtig mit Nutzer-Daten umgegangen wird, hat der AOL-Skandal vom August 2006 gezeigt, bei dem Informationen von über 600.000 Nutzern frei zugänglich waren. Die öffentliche Reaktion war drastisch und dramatisch. Der Skandal hatte zur Folge, dass AOL noch mehr Werbekunden an Yahoo und Google verlor und als Resultat über 5.000 Angestellte entlassen musste.
Fazit
Daher bin ich (als Google-Power-User zwangsläufig) der Meinung, dass Google an sich nicht per se "böse" sein kann. Ich denke, die Unterstellung "des Bösen" (z.B. "Amerika", "die Konzernbosse", "die Wirtschaft") liegt begründet in einer mangelnden Kenntnis der Sachzusammenhänge und Informationsdefizit. Wenn man Sergei Brin und Larry Page über die Schulter gucken könnte, würde man sicher deutlich entspannter auf Google reagieren können.
Ich freue mich natürlich über anders lautende Kommentare (vor allen Dingen auf Olivers Einwände bin ich gespannt :)
Was denkt ihr?
[Hier findet ihr die Web-Seite des Projekts Google's Master Plan und könnte euch das Video in guter Qualität herunterladen.]
Update: Update: Techcrunch.com bestätigt Google's Investment in ein Projekt der Harvard Universität, in dem bisher unbekannte Krankheiten bekämpft werden sollen. Dafür wird von 100.000 Menschen die DNA sequenziert.
Link: http://www.techcrunch.com/2008/02/29/google-invests-in-dna-sequencing-project/