Wie wird das Internet in 5 bis 10 Jahren aussehen? Welche neuen technologischen Möglichkeiten werden wir haben? Wie wird es unser Leben (noch mehr) verändern?
Diese Fragen haben sich in letzter Zeit verschiedene Gruppen gestellt von denen ich einige vorstellen möchte.
Sekai Camera (Tonchidot - Japan)
Die Vision der Japaner ist ein mobiles Gerät, das per Videokamera die Umgebung erkennt. Mit Hilfe von Daten aus dem Internet sollen dann dem Nutzer hilfreiche Informationen auf den Screen dargestellt werden.
Das Video erklärt es am besten:
Was mir bereits beim Anschauen des Videos auffällt: Ich will nicht mit so einem Gerät durch die Gegend laufen. Ich habe eher das Gefühl, es behindert die Interaktion mit der Umwelt, als dass sie unterstützend wirkt.
Die Idee, nur am Rande, ist auch nicht besonders neu. Visuelle Eindrücke mit zusätzlichen Informationen zu versehen kennen wir spätestens seit Terminator und Robocop.
So lange das Interface aber nicht auch genauso praktisch verbaut ist (eine Brille mit Screen) oder Implante, sehe ich keine echte Chance, dass sich das Internet Einzug in die Realität finden wird.
Nur am Rande: Ein sehr ähnliches Konzept präsentiert auch petitinvention.com.
Aurora von Adaptive Path
Eine andere Vision geht auch den Weg von neuen technischen Möglichkeiten, um das Internet und seine Möglichkeiten besser zu nutzen.
Aurora ist auf der einen Seite eine Möglichkeit, individueller und auf eigene Bedürfnisse angepasste Daten zur Verfügung zu haben. Auf der anderen Seite soll es die Nutzerfreundlichkeit erhöhen. Weg von Urls und Formularen hin zu eher realen und gewohnten Konzepten wie Bildern, Gruppen, etc.
Es gibt auf der Adaptive Path Seite verschiedene Videos zu Aurora und anscheinend hat es die Designer dort sehr beschäftigt. Ihr Blog quillt über vor Artikeln zu ihrer Konzept-Studie.
Nutzerfreundlichkeit und Einfachheit sind sicherlich sehr erstrebenswerte Ziele. In der Hinsicht hat das Internet von heute auch noch einiges vor sich. Das scheint klar. Jedoch bin ich kaum beeindruckt von den restlichen "innovativen" Konzepte bei Aurora.
Aber warten wir ab, was davon in die Tat umgesetzt wird.
Ubiquity: Veränderung im Browser
In eine etwas andere Richtung stösst das Projekt von Mozilla Labs unter der Leitung von Aza Raskin, dass für den Firefox als Plug-In sogar bereits herunterladbar ist.
Die Idee ist es, dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, aus der unglaublichen Menge an Daten, die das Web bietet, für einen selbst sinnvolle Anwendung zu machen. Hierfür gibt es shortcuts im Browser, die es einem ermöglichen, bestimmte Online-Tools und Applikationen per Klick mit den nötigen Daten zu verbinden und daraus neue, nützliche Informationen zu ziehen.
Auch erklärt das Demo-Video die Idee am besten:
Ich denke, Ubiquity durch seine Problem-orientierte Art ein sehr interessantes Projekt. Es geht Schritt für Schritt vor und versucht vorhandene Probleme zu lösen, dort wo sie auftreten.
Wenn man sich die Entwicklung des Internets in den letzten Jahren anschaut, so kann man deutlich sagen, dass es unvorhersehbares und vor allen Dingen unsteuerbares Phänomen ist. Daher Umsetzungen zu unterstützen, die schon heute funktionieren, scheint mir ein Weg, der Überlebenschancen haben wird.
Fazit: Wir wird es nun?
Die Ideen sind gut und ich denke wir brauchen deutlich mehr davon.
Ich sehe die wesentlichen Felder des Internets in der Zukunft noch mehr als heute in:
- Informations-Plattform (wikipedia nur als ein kleiner bekannter Vorreiter)
- Kommunkations-Werkzeug (myspace.com, flickr.com, facebook.com)
- Arbeits-Tool (unzählige Applikationen erleichtern bereits heute die Arbeit - Google Chrome will dies erleichtern)
Ein wesentliches Manko, das ich derzeit sehe, ist die unendliche Verteilung und Verstreutheit. Viel zu viele Passworte, zu viele Seiten und zu viele Tools machen den Nutzern das Leben schwer. Hier zentrale Verwaltungs-Möglichkeiten und Interaktions-Tools zu finden wird eine der grossen Herausforderungen sein.
Der zweite Punkt, in dem das Internet noch deutlich in den Kinderschuhen steckt: Die Bedien-Freundlichkeit. Als Interface ist derzeit noch viel zu starr, uneinheitlich und unflexibel. Microsoft's Silverlight und Adobe's Air zeigen neue, vielschichtiger Interaktions-Muster auf.
Spannende Entwicklungen, die da auf uns zukommen. Hoffen wir, dass auch wir von speak-friend unseren Beitrag dazu leisten werden :)